|
Die Ile de la Réunion
"Insel der Zusammenkunft" ist eine zu Frankreich gehörende Insel im
Indischen Ozean, die politisch gesehen ein französisches Überseedépartement
ist.
Sie liegt etwa 800 km
östlich von Madagaskar und 200 km westlich von Mauritius. Sie hat
eine
Fläche von 2515 Quadratkilometer; der Durchmesser der fast ovalen
Insel liegt zwischen 50 und 70 Kilometer. Vergleichbar mit der Größe
des Saarlandes.
Es ist eine sehr junge
Insel. Entstanden vor ca. 2 Millionen Jahre durch den Ausbruch des
Vulkans Piton des Neiges (3069 m), der dem indischen Ozean entstieg.
Ein weiterer Vulkan, der Piton de la Fournaise ist noch aktiv
und bricht regelmäßig alle 2 Jahre aus. Die Lava fließt zum Glück
nur in eine unbesiedelte Richtung ab und bedroht damit nicht die
Bevölkerung.
Im Inneren befinden
sich außerdem drei beeindruckende Talkessel, die Cirques de
Salazie, Cilaos und Mafate. Letztere ist nur zu Fuß (6 Stunden
Marsch) oder mit dem Hubschrauber zu erreichen.
Im Gegensatz zu
Mauritius ist La Réunion keine Badeinsel. Es gibt nicht viele
Strände, die zum Baden einladen. Die schönsten Stände sind bei
Boucan Canot, St. Gilles les Bains und L´Hermitage les Bains. Hier
findet man auch den meisten Tourismus. La Réunion ist ein
Paradies für Wanderer.
Die Bevölkerung
ist bunt gemischt: Afrikaner, Madegassen, Inder, Asiaten, Muslime
und Franzosen, deren Abkömmlinge als Créoles bezeichnet
werden, die das Inselchen heute bewohnen. Und alle leben friedlich
nebenher mit ihren unterschiedlichen Religionen und
Weltanschauungen. Wo gibt es das heute noch ?
Das Klima ist
suptropisch-sommerfeucht. Die Regenzeit ist zwischen Dezember und
März. Im Januar und Februar besteht auch die Gefahr von Zyklonen,
hier besser bekannt als Hurrikanes.
Der Osten ist das
regenreichste Gebiet der Welt, während der Westen die meisten
Sonnentage der Welt hat. Und dazwischen gibt es ganz viele
andere Mikroklimen.
Wir haben einen der
schlimmsten Zyklone miterleben dürfen. Zyklon "Gamede" hat uns zwei
Tage Ausgangssperre gekostet und den südlichen Teil der Insel
tagelang von der Außenwelt abgeschnitten - ohne Wasser und Strom. In
drei Tagen sind 3,90 Meter Regen je Qm geflossen - Weltrekord. Aber
dazu später ...
Es gibt nicht viele
Reiseführer von der Insel. Viele gibt es in Kombination mit der
Insel Mauritius. Es gibt nach unseren Recherchen nur einen: den
Reiseführer Reunion von Dumont-Verlag. Den kann ich auch
empfehlen. Darin enthalten ist auch eine Straßenkarte. Wer viel
rumfährt, sollte sich vor Ort eine Michelinkarte mit kleinem Maßstab
besorgen. Kostet nicht viel; zahlt sich aber aus.
Wir hatten den
Wanderführer vom Rother-Verlag. Es gibt nicht viele kleine, kürzere
Wanderungen und kaum Rundwanderwege. Also weniger geeignet für
Freizeitwanderer, die mal ein-zwei Stündchen rumlaufen wollen. Im
Dumont-Reiseführer sind übrigens auch Wanderungen beschrieben.
Der Flug
Für knapp 1.000,- Euro
pro Person sind wir von Düsseldorf mit Air France geflogen. In
Düsseldorf haben wir beim Einchecken eine Busfahrtkarte erhalten für
den Transfer vom internationalen Flughafen Charles de Gaulles zum
Fughafen Orly, wo die Inlandsflüge starten - und dazu gehört auch
Réunion. Dieser Bustransfer ist kostenlos; aber darauf muss man
selber achten und das Flughafenpersonal gfls. darauf hinweisen.
Leider müssen wir auch
das Gepäck selber transportieren - es wird nicht automatisch nach
Orly befördert. Aber alles kein Problem.
Wir fliegen über Nacht,
was die 11 Stunden Flugzeit gefühlsmäßig erheblich verkürzt. Auch
wenn man wenig schläft, döst man immer wieder weg und die Zeit geht
einfach schneller um. Der Service von Air France ist ausgezeichnet.
Leckeres Essen und zu jeder Zeit Getränke.
Die Zeitverschiebung
beträgt nur 3 Stunden und wegen des Nachtfluges kommt auch kein
Jetlag auf.
Unterkunft
Bei unseren
Reisevorbereitungen haben wir uns damit beschäftigt, wo wir auf der
Insel wohnen können und wollen. Da wir inmitten der Regenzeit fahren
würden, war klar, dass wir auf der trockenen, also westliche Seite
bleiben müssen. Damit bleibt nur der Streifen zwischen Boucan Canot/St.
Gilles les bains bis St. Joseph.
Unsere beiden
Unterkünfte während des 3-wöchigen Urlaubes haben wir uns im
Internet rausgesucht. Das erste Häuschen oberhalb von Boucan
Canot liegt wunderschön auf einem kleinen grünen Hügel mit einem
herrlichen Blick auf den Ort. Nur die Anfahrt ist
gewöhnungsbedürftig.
Zuerst führt eine
einspurige Straße abseits der Hauptstraße nach St. Gilles les Hautes
hinter der Total-Tankstelle hinauf auf den Hügel. Die geteerte
Straße endet bald am Sentier Vanille. Wir glauben hier am Ziel zu
sein, denn in diesem Gelände liegen auch ein paar Unterkünfte. Man
erklärt uns aber, dass wir noch höher müssen.
"Hast du eine Straße
gesehen, die weiter hoch führt?" frage ich.
"Nein", Vera ist auch
nichts aufgefallen.
Es gibt dann doch noch
einen Feldweg, der steil und holprig hinauf führt. Er endet vor
einem Privathaus, dass inmitten einer kleinen grünen Oase liegt, mit
viel tropischem Grün und Palmen drum herum. K ein
Schild, das uns sagt: hier sind wir richtig.
Elisabeth, die
Hausherrin, begrüßt uns fragende Gesichter. Sie führt uns hinter
ihr Haus auf ein kleines Grundstück, auf dem ein kleines sehr
hübsches Holzhäuschen steht. Unser Heim. Total hübsch und
gemütlich mit großer Veranda, großem Garten und eigener Zufahrt.
Das Häuschen hat einen
Wohnraum mit Küchenzeile, einem Badezimmer mit Dusche / WC,
Waschmaschine und einem Schlafzimmer mit Klimaanlage. Die Küche ist
mit allem, was man braucht, eingerichtet. 300,- Euro kostet die
Woche - wir haben für 2 Wochen gebucht.
Neben diesem Holzhaus
für 2 Personen hat Elisabeth noch eine größere Holzhütte (4
Personen) im Angebot, die auf der anderen Seite des
Hügelgrundstückes liegt. Wir haben hier unser eigenes kleines Reich,
uneinsehbar und sehr ruhig.
Boucan Canot
besteht aus einigen Hotels und Apartments, einer kleinen Promenade
mit Restaurants, Bars und einem Kiosk und einem schönen langen
Sandstrand. Die Preise sind recht happig - vergleichbar mit Pariser
Preise bzw. Frankreich mit Inselaufschlag. Für ein großes Glas
Citron pressé zahlt man 3,50 Euro.

St. Gilles les Bains
ist der Hauptort der Gegend. Neben einem kleinen Fischerhafen gibt
es einen Stadtstrand und parallel zum Meer genügend Restaurants und
Bars.
Nach dem Zyklon war der
Strand weg. Aber ich denke, dass die den Sand wieder hinschütten.

Entlang der kleinen
Hauptstraße kauft man ein.
Supermarkt,
Bekleidung, Bäcker, Metzger; man findet alles
hier.
In der kleinen
Markthalle bekommt man täglich Brot, Obst und Gemüse.
Mittwochs ist noch ein kleiner Kunsthandwerkermarkt angeschlossen.
  
Verkehr
Verkehrstechnisch ist
die Insel das reinste Chaos. Die gut ausgebaute Küstenstraße führt
einmal um die Insel und stellt damit die einzige Verbindung zwischen
den wichtigsten Ortschaften dar, die allesamt an der Küste liegen.
Es gibt praktisch keine Umgehungsstraßen. Das bedeutet, dass der
ganze Verkehr über eine Straße rollt. Zu den Hauptverkehrszeiten
bricht diese Straße aus allen Nähten. Es gibt immer Stau - Tag für
Tag.
Will man den vermeiden
muss man seine Touren gut planen. In der Woche sollte man entweder
vor 7.30 oder nach 10.00 h starten. Die Wochenenden sind die einzige
Zeit, in der man diese Straße auch ohne Stau erleben kann. Wir haben
in den 3 Wochen sehr häufig in einer Wagenkolonne gestanden.
Ausgehend von St.
Gilles in nördlicher Richtung ist der erste Stau bereits bei
Auffahrt auf die Hauptstraße und dann wieder vor St. Paul. Hat man
diese überwunden und die teuerste Autobahn der Welt erreicht, geht
es meist staufrei bis zum Orteingang von St. Denis. Die
Inselhauptstadt St. Denis bricht immer aus allen Nähten. Hier kommt
man ohne Verkehrschaos und Geduld kaum durch.
Will man sich nicht
durch die winzigen Citygassen nach einem freien Parkplatz quälen,
empfiehlt sich ein kostenfreier Parkplatz am Hafen. Es sind nur 10
Minuten bis zur Fußgängerzone.
Die teuerste Autobahn
der Welt geht von St. Denis nach La Possesion, die sog. Route du
Littoral. Sie ist deshalb die Teuerste, weil sie über dem Meer
gebaut ist. Auf der einen Seite eine senkrechte Felsküste und auf
der anderen der tosende Ozean. Regelmäßig ist diese Autobahn
gesperrt, weil irgendetwas repariert werden muss oder das Meer die
Fahrbahnen überspült.
Dann muss man die 30 km
lange Nebenstrecke fahren, die kurvenreich und zeitintensiv über
einen Berg geführt wird.
Eigentlich ist diese
Strecke sehr schön und man sollte sie zumindest einmal gefahren
sein. Aber nur, wenn die Autobahn frei ist. Während des Zyklons (die
Autobahn war eine Woche lang gesperrt) haben alle Fahrzeuge diese
Nebenstrecke benutzen müssen und für die 30 km hat man 6 Stunden
gebraucht. Dazu kamen noch überspülte Straßen und Behinderungen
durch entwurzelte Bäume etc.
Frankreich baut derzeit
eine Verlängerung der Autobahn. Die Arbeiten konnten wir bei St.
Paul erleben. Diese soll bei Fertigstellung alle Ortschaften an der
Westküste umgehen
und 4-spurig sein. Damit würde die Verkehrssituation erheblich
entlastet. Und wir würden diese Insel erst wieder besuchen, wenn
diese Autobahn fertig ist. Uns ging das Verkehrschaos ziemlich
auf die Nerven.
Cirque de Mafate
ist eine der drei
Talkessel und der Einzige, der nur zu Fuß oder
per Hubschrauber zu
erreichen ist. 6 Stunden Fußmarsch in den Cirque war uns bei
Temperaturen von 35 Grad zu anstrengend. Diese Tour kann man dann
auch nur mit einer Zwischenübernachtung im Talkessel machen.
Den ersten Eindruck
bekommt man vom Aussichtspunkt am Piton Maido auf 2190 m, den man
über St.Gilles les Hautes mit dem Auto erreichen kann.
Wichtig ist, dass man
das Ziel nicht nach 8.00 h erreicht; denn dann hat sich
über
dem Talkessel durch die aufgehende Sonne schon so viel
Verdunstungsnebel gebildet, dass man nichts mehr sehen kann.

Wir haben Glück und
können eine halbe Stunde lang
die unglaublich schöne wilde Natur
bestaunen, die uns der Cirque de Mafate bietet.

Einen ebensolchen Blick
genießt man vom Cap Noir. Eine kleine Rundwanderung
bietet sich hier an. Hinter St. Paul in Richtung St. Denis
nehmen wir die erste Abfahrt nach der Überquerung des Riviere des
Galets, der meistens nur ein kleiner Rinnsal ist. Das Flussbett
allerdings ist etwa 50 Meter breit und mit dicken Felsbrocken
übersät. Nach dem Zyklon wussten wir warum.
Wir fahren hoch über die D 1 bis zum Ort Dos D´Ane. Hier findet man
viel Gemüse- und Obstanpflanzungen und Treibhäuser. Am Ortsende
müssen
wir den Chemin de Cap Noir bis zum Ende nehmen, wo sich ein
Parkplatz und ein Verkaufswagen befindet. Wir sind auf etwa 1100 m.
An der Gabelung nehmen wir den Weg rechts, wie im Roter Wanderführer
beschrieben. Er geht am steilen Berghang entlang. Unter uns eine
senkrechte grüne Wand, hunderte Meter tief.

Wir treffen nach gut 15 Minuten auf eine Aussichtsplattform, dem
Kiosque du Cap Noir. Dieser bietet eine Informationstafel und den
überwältigenden Blick in den Cirque de Mafate. Wir haben Glück mit der Sicht.
Der gestrige Regen hat alles rein gewaschen und es ist wolkenlos -
sogar im Kessel und um diese Zeit. Es ist schon 11.00 h. Eigentlich
müsste bereits alles schon in Wolken liegen.


Der kleine Rundweg ist
nicht sonderlich anspruchsvoll. Bis auf eine Kletterpartie ist der
Weg gut begehbar.
Ich bin immer noch
überwältig von dieser
Natur.


Cirque de Salazie
In den Cirque de
Salazie kommt man von Saint André aus. Es führt lediglich eine gut
ausgebaute Straße hinein.
Wie alles was ins Landesinnere geht, wird es schnell bergig, die
Straße kurvig und schluchtig. Auf beiden Seiten gehen
fast
senkrecht üppig begrüne Felshänge hunderte von Metern hinauf. Neben
dem üppigen Grün sind unzählige Wasserfälle zu sehen. Wir haben noch
nie so viel grüne Natur und so viele Wasserfälle gesehen.

Wir fahren bis zum Ende der Straße in den Ort Hell Bourg,
der auf 900 Metern liegt. Die Häuser sind alle typisch kreolisch
und hübsch anzuschauen.

Um den Cirque de
Salazie von oben zu bestaunen, muss man eine mehrstündige Wanderung
in Kauf nehmen und viele Höhenmeter hinauf an den Rand des Cirques
hinter sich bringen.
Man kann auber auch den
Cirque auf vielen kleineren und kurvenreichen Straßen mit dem Auto
erkunden. Hier und da hat man einen schönen Panoramablick. Aber für
eine Autofahrt muss man auch viel Zeit einplanen.
Cirque de Cilaos
Leider konnten wir nur
einen kleinen Einblick in diesen Cirque bekommen. Und das auch nur
von oben und bei mittelmäßiger Sicht. Das Wetter hat leider nicht
mitgespielt. Der Zyklon hatte zuvor die einzige Zufahrt nach Cilaos
unbefahrbar gemacht. Eine Woche lang - bis zu unserem Abflug- war da
kein reinkommen.



Der Weg zum
Aussichtspunkt vom Zyklon gezeichnet. |