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Kreta im Mai 2003

Bewaffnet mit dem Reiseführer des Michael Müller Verlages machten wir uns im Mai auf, die Insel von Iraklion aus zu erkunden. Da Kreta uns nur als Urlaubsinsel bekannt war, hatten wir etwas Zweifel, ob wir hier noch Unberührtes finden würden. Wir waren sehr erstaunt, wie viele unberührte, einsame und urtümliche Ecken diese Insel noch hat. Vorraussetzung ist allerdings, dass man so reist wie wir: nur mit Auto und von Ort zu Ort.  Es war auch kein Problem, was zum Übernachten zu finden. In jedem Ort findet man Hotels, Zimmer oder Apartments und sie sind meistens auch gut ausgeschildert. Ebenfalls können wir wärmstens den Reiseführer empfehlen; deren Tipps stimmen und man kann sich beruhigt auf ihn verlassen.

Am Flughafen von Iraklion übernehmen wir unseren bereits in Deutschland gemieteten Kleinwagen von Holiday Autos. Billig ist das Auto mieten in Griechenland leider nicht.  Es wird auch geraten, ihn schon zu Hause zu buchen, denn vor Ort soll´s noch teurer sein. Für den Flug und Mietwagen haben wir knapp 350,- Euro p.P. gezahlt.

Schon hier am Rande der Hauptstadt wird deutlich, dass sie im Straßenverkehr erstickt. Wir stehen im Stau und wissen gleich, dass wir diese Stadt meiden werden. Der Reiseführer meint auch, dass man sie nicht braucht.

Unser erstes Ziel ist die Ortschaft "Plaka" im Osten, oberhalb von Agios Nikolaos.

Die Apartmentanlage (Namen leider vergessen) ist klein und hübsch. Für 40,- Euro einschließlich Frühstück dürfen wir ein paar Tage bleiben. Nur leider gab es in der Nacht Mückenalarm. Die Viecher konnten wir nicht töten, da die Decken und Wände so rauh verputzt waren, dass es für die Stechviecher genug Löcher zum verstecken gab.

Plaka ist ein Örtchen aus ein paar Häusern und zwei Restaurants. Strand gibt es nicht viel. Leider wird direkt vor dem Ort eine ziemlich große Ferienanlage gebaut; somit wird bald die Ruhe in dieser Einsamkeit vorbei sein.

Die Landschaft nördlich von Plaka ist karg, felsig und wenig besiedelt. Eine Rundfahrt lohnt und dauert auch nicht besonders lang. Wir hatten das Glück, Einheimische beim Schafe scheren beobachten zu dürfen. Mit Scheren, ohne elektronische Hilfe, geht es ihnen an die Wolle. Was für eine Knochenarbeit für die Männer.

Einkaufen kann man in dem etwa 5 km entfernten "Elounda", ein kleines nettes Fischerörtchen mit einigen Geschäften, Supermärkten und nicht gerade wenigen Restaurants, in denen man eine Menge leckeren Fisch essen kann. Wir haben mal in einem solchen gespeist und auf dessen Terrasse gesessen, die über dem Wasser liegt. Das Meer ist glasklar und wir entdecken eine Menge Fische und Krebse.

Auf dem Weg nach Plaka kommt man automatisch an "Agios Nikolaos" vorbei, der größten und touristischsten Stadt im Nordosten. Der Kern ist gemütlich; um den einzigartigen Süsswassersee (mit Meereszugang) in der City tummeln sich Cafés und Restaurants. Es gibt eine kleine Einkaufsstrasse mit den typischen Touristenläden, in denen man bedruckte Shirts, Taschen, Mützen, Schmuck und Souvenirs kaufen kann. Eine gemütliche Atmosphäre.

Was uns allerdings stört sind die Kellner, die jeden potentiellen Gast anquatschen, um ihn in sein Restaurant zu locken.

Hier finden wir auch ein Internetcafé und für 2,50 Euro je halbe Stunde. Das ist ein hier üblicher Preis.

Sehenswert und Ausgangspunkt für ein paar Wanderungen ist die "Lassithi Hochebene" im Landesinneren, südwestlich von Agios Nikolaos.  Das auf 800 m liegende Hochplateau ist 10 km x 5 km groß. Eine Strasse führt außen herum, wo auch die Orte angesiedelt sind. In der Mitte befinden sich nur Felder. Einige Berge sind noch schneebedeckt und bei dieser Wiese mussten wir einfach anhalten. Eine wunderschöne blühende Bergwiese. Bei dem Ort Tzermiado beginnt unsere Wanderung auf den 1148 m hohen Berg Karfi. Die Route ist eigentlich nicht beschildert; die Beschreibung im Reiseführer hilft, den richtigen Weg zu finden. Von oben haben wir einen genialen Panoramablick.

 

Der berühmte Palmenstrand von Vai liegt einsam an der Ostküste und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Deswegen ist alles rundherum auch sehr kommerziell, angefangen von dem gebührenpflichtigen Parkplatz für 2,50 Euro. Aber man kann kostenfrei 200 m zuvor parken. Da Kreta nur wenig schöne Sandstrände zu bieten hat, ist das hier sicher der Schönste. Aber eine ruhige Ecke findet man nicht; zuviel los. Wie gesagt, ein beliebtes Ausflugsziel. Wohl nur in der Vorsaison erträglich.

Wir fahren im Landesinneren durch karge Landschaft gen Süden und biegen in der Mitte nach Osten ab. Die Ostküste ist ziemlich verlassen. Wenig besiedelt. Unser Ziel ist Kato Zakros, an der die "Schlucht der Toten" endet, die man laut Reiseführer durchlaufen kann. Kato Zakros liegt am Meer gehört zur etwa 5 km landeinwärts liegenden Ortschaft Zakros. Ein kleines Kaff und Kato Zakros ist noch winziger. Es besteht aus 3 Tavernen und ein paar mehr Häusern, die auch Apartments oder Zimmer vermieten. Empfehlenswert ist "Georges Village". George hat eine Taverne am Wasser und seine Apartmentanlage liegt 500 m landeinwärts. Kleine weiß-blaue Häuschen mit viel grün drum herum erwarten uns. Es ist total hübsch und absolut ruhig hier. 30,00 € bezahlen wir für das Häuschen mit einem Zimmer und Bad. Die Apartments werden leider gerade umgebaut, aber dafür werden sie wirklich wunderschön.  Georges Schwester versorgt uns mit einem Campinggaskocher, damit wir uns etwas Warmes kochen können; ein Kühlschrank ist vorhanden. 

 

Am nächsten Tag wandern wir oberhalb der Schlucht bis kurz vor Zakros und zurück durch sie hindurch. Ein Bächlein fließt hindurch und der Oleander blüht an jeder Ecke. Die ganze Schlucht strahlt in der roten Blütenpracht.

Leider war es uns nicht möglich an frisches Brot zu gelangen. Wir haben in  Zakros  keine Bäckerei gefunden. Der einzige winzige Supermarkt hatte nur abgepacktes Brot, das eher nach Kräcker aussah, im Angebot.

Unsere Reise führt uns weg von dem niedlichen Kato Zakros mehr oder weniger an der Küste entlang über Xerokambos. Die Straße ist nicht asphaltiert und ziemlich holprig. Aber es lohnt sich. Xerokambos ist noch mehr Arsch der Welt. Eingeschlossen von Bergen liegen die paar Häuser gut verteilt in der Gegend rum. Aber auch hier würde man eine Bleibe finden. Über kilometerlange Serpentinen führt dann eine geteerte Straße nach Ziros und von hier geht es zügig an die Südküste nach Analipsi und Ierapetra. Letzteres ist recht touristisch und auf der ganz netten Promenade finden Angebot und Preis der Restaurants keinen Einklang. Also hier zieht man den Touristen das Geld aus der Tasche. Braucht kein Mensch.  Der Küstenabschnitt ist recht flach und gar nicht schön. Treibhäuser mit Tomaten beherrschen diesen Abschnitt. Viel Verkehr auf der einzigen relativ gut ausgebauten Küstenstraße.

Bei Mirtos, wo die Treibhäsuer enden und der bergige Teil beginnt, wollen wir übernachten. Es gibt auch genug Angebot, zumindest an Zimmern. Apartments sind nicht sehr viele und das Einzige, das geöffnet hat und nett aussieht ist uns mit 50,00 Euro viel zu teuer. Wir lehnen ab und beschließen weiter zu fahren. Es sind dann noch etwa 100 km bis in die Gegend um Matala. Die Straßenqualität und auch die Beschilderung lässt an vielen Stellen sehr zu wünschen übrig. Man muss hinter jeder Kurve mit Bergrutschen rechnen oder die halbe Fahrbahn ist abgerutscht.  Absicherungen kennen die Griechen nicht und so muss man gut aufpassen.

InKalimbari, einem kleinen Ort nahe der Küste bei Matala, finden wir ein großzügiges Apartment für 35,00 Euro. Es hat unten einen Wohnküche, Bad und Terrasse und in der 1. Etage das Schlafzimmer und einen Balkon mit Blick auf das Dorf. Kalimbari ist niedlich und noch sehr urtümlich. Viele deutsche Aussteiger leben hier, was man an den schmackhaft restaurierten Häusern im Ortskern erkennen kann.

Sehr empfehlenswert ist die Wanderung durch die Rouwas-Schlucht, die bei Zaros beginnt. Zaros liegt nördlich, ca. 50 km im Landesinneren. Hier gibt es die einzige Forellenzucht des Landes. Vom oberhalb gelegenen Kloster Agios Nikolaos gehen wir die einsame, wirklich tolle Schlucht hinauf bis zu einen Plateau, an der die kleine Kapelle Agios Ionnis steht und viele alte Platanen Schatten spenden.

 

Die Städte "Rethimnon" und "Chania" an der Nordküste lohnen einen Abstecher, denn der Hafen und die kleinen  Einkaufssträsschen sind nett. Lästig sind -wie überall- die Kellner der unzähligen Restaurants, die dich auf der Straße anquatschen mit "gute Preis" oder "du Hunger" etc.

Ansonsten kann man die Nordküste vergessen. Zwischen Rethimnon und Chania liegen die meisten Hotelanlagen. Das liegt wohl daran, dass die Gegend relativ flach ist und man hier den meisten Platz hat.  Schön ist die Gegend aber nicht. Die Hotelanlagen sind schmucklos an die Küste gebaut; es gibt aber nicht viel Infrastruktur rundum.

Am besten hat es uns in Sougia gefallen, das westlich der "weißen Berge" und der "Samariaschlucht" liegt. Ein kleines Dorf mit ganz viel Charme. Auch hier finden sich viele westliche Aussteiger, meist Deutsche und Niederländer. Die Pension "Galini" direkt am Ortseingang hat noch ein Apartment für 27,00 Euro pro Nacht frei. Es ist ein kleines, einfaches und sauberes Apartment; leider in Parterre und von der Straße einsehbar. Leider hatten wir hier keine Wahlmöglichkeiten, denn es war das einzig freie Apartment; ansonsten werden hier nur Zimmer vermietet. Dafür ist der Preis unschlagbar.

In der einzigen Bäckerei kann man die Bustickets für den einzigen Linienbus kaufen, der morgens um 7:00 h die Touristen zum Eingang der Samariaschlucht fährt. Es fahren zwar noch Busse zu anderen Zeiten, aber die halten alle nicht an der Schlucht. Die berühmt berüchtigte Samariaschlucht ist landschaftlich wirklich sehr schön und imposant. Man beginnt auf 1200 m Höhe und kommt sich vor wie in den Alpen. Kurzes Schlange stehen an der Kasse; man verlangt 5,- Euro Eintritt. Festes Schuhwerk und Verpflegung wird empfohlen. Aber die lassen hier jeden rein.  Zu Beginn führt ein kilometerlanger abgesicherter Steig ziemlich steil hinunter. Er ist holprig und steinig. Und leider ist es viel zu voll. Schleichende Touristen in Stoffschühchen oder Sandalen vor uns, die schwer auf diesem steilen, schmalen Steig zu überholen sind.  Das ist nervig und strengt an. Wir haben Angst stehen zu bleiben, um die Aussicht zu genießen, weil du dann wieder von ihnen überholt wirst und du dich wieder an ihnen vorbeidrängen musst.

Wir sind sehr überrascht, wie voll es hier um diese Jahreszeit ist. In der Hochsaison muss es zugehen wie im Taubenschlag. Schrecklich. Dies allein ist der Grund zu sagen "Samariaschlucht braucht man nicht".  Wer Völkerwanderungen meiden möchte, MUSS leider auch diese Schlucht meiden.  Aber wie alle, die das erste Mal auf Kreta sind, gehört es dazu, einmal durch die Schlucht zu laufen.  Nach dem ersten langen Abstieg verteilen sich die Menschenmassen ein wenig. Im letzten Abschnitt, der überwiegend durch das Flussbett führt, wird es wieder voller. Das liegt aber auch daran, dass die Fußkranken an den Schluchtausgang gefahren werden und von dort ein paar Meter  hineinlaufen.  Die sind wirklich gut zu erkennen mit Badeschläppchen und Handtäschchen. Brrr !  Am Ende der Schlucht liegt auch die berühmte "eiserne Pforte". An dieser Stelle ist das Flussbett nur 3 m breit und die Felswände türmen sich senkrecht auf.

Etwa 16 km lang ist die Tour; also wirklich nichts für Unsportliche. Wir brauchen nur 4,5 Stunden und waren sehr sehr zügig unterwegs. Die Tour endet in dem Ort "Agio Roumeli", das nur per Schiff zu erreichen ist. Deshalb ist es auch wichtig, vor Eintritt in die Schlucht zu erfragen, wann das letzte Schiff fährt.   Agio Roumeli besteht eigentlich nur aus Restaurants, Cafes, Bars, Hotels und anderen Geschäften für den Tourismus. Hier ist die Hölle los. Billig ist es zudem auch nicht.  Ein längerer Aufenthalt lohnt nicht.

Fazit: Kreta ist wahrlich eine Reise wert, wenn man weiß, wo es schön ist.Auf keinen Fall pauschal buchen, sondern immer nur fly and drive.